Verfasst von: rosa67 | 16. Juli 09

Vater-Mutter-Kind

Ich hab hier ja schon oft über diesen Spagat geschrieben, der durch unser wunderbares Kinderbetreuungsangebot den frischgebackenen Familien abgefordert wird. Wenn ich mal so lese, dass die lieben Rentner ja eigentlich auch kaum noch Knete bekommen und lieber mehr wollen, dann ist es doch eigentlich keine Frage: Es müssen mehr Kinder gemacht werden (die dann später die Rente für uns zusammen verdienen). Oder? Ich mein, wenn wir uns jetzt die Hucke krumm arbeiten und deswegen weder Zeit für Kindererziehung noch für Kindermachung haben, dann funktioniert das irgendwann ganz und gar nicht mehr mit diesem Generationenvertrag.

Ich würd ja tendenziell gern noch einmal loslegen und einen Wutz 2.0 nachliefern. Oder eine Wutzine. Allein, es hapert mir an einigem.

Ich bin kein Karrieremensch. Ich habe gern Freude an meiner Arbeit und bin gern gefordert. Ich engagiere mich gerne und werde gerne adäquat entlohnt. Ich wr nie so sehr der Typ, der übers Arbeiten das Leben vergaß. Aber anders herum möchte ich auch nicht über das Leben das Arbeiten vergessen. Ich arbeite gern, und ich möchte auch gern gut arbeiten. Nun ist mein Gehalt, das ich da jetzt bekomme, eigentlich wirklich nicht schlecht. Aber das ist auch so: Ich hab einen Arbeitsvertrag über eine gewisse Stundenzahl, gegenwärtig sind es 24. Das heißt aber im ganzen Kollegium, dass man nach der vertraglichen Stundenzahl nicht etwa frohen Mutes nach Hause marschieren/radeln/fahren kann. Nein, für das Gehalt werden dann eben auch Überstunden stillschweigend erwartet. Und geleistet. Von all meinen Kolleginnen und Kollegen.

Und wo bringt mich das hin? An den Rand der Verzweiflung bringt mich das! Derzeit mach ich es so: Ich hole das Kindlein vom Kindergarten ab und bin dann noch so ca. eine Stunde samt Kindlein im Büro und versuche es frohen Herzens zu betrachten: Ich mein, ich bin ja haftpflichtversichert, wenn er also den Drucker schrottet oder so, dann muss ich das nicht selbst bezahlen. Ich stelle ihm einen großen Karton bereit, in dem er Hundehütte spielt und schließe alle drei Minuten die Türen des Kartons, in der restlichen Zeit telefoniere ich – gegen einen Hundehüttengeräuschpegel – mit meinem Chef oder tippsel halt im Höchsttempo. Wir haben Abgabetermine über Abgabetermine, es ist nichts mehr einzuhalten, aber der Kindergarten schließt ja morgen, dann muss ich urlauben und kann gar nichts mehr leisten. Früher durfte ich Urlaub nehmen, wenn es zeitlich in die Arbeit passte, heute muss ich mich am Urlaubsplan des Betriebskindergartens orientieren.

Nun haben wir ja in Hamburg für die Kinder unter drei Jahren keinen richtigen rechtlichen Anspruch auf eine Betreuung. Der Betreuungsanspruch orientiert sich daran, wieviel die Hauptbetreuungsperson arbeitet. Ich arbeite vertraglich gesehen 24 Stunden. Christoph wird also 24 Stunden betreut, zu denen noch die Bringe- und Abholzeiten gerechnet werden, pro Tag so ca. 30 Minuten, ala 4 Tage. Sind wir bei 26 Stunden. Dann fallen pro Woche nun noch ca. 5 stillgeschwiegene Überstunden an, die aber wirklich stillgeschwiegen werden. Schon sind wir über der Betreuungszeit. Mittagspausen der Mutter sind noch nicht mitgerechnet, aber eigentlich dringend nötig.

Eine Chance auf eine Höherstufung meines Vertrags habe ich erst gen Ende der Elternzeit.

Warum kann das nicht einfach unbürokratisch geregelt sein? Warum kann ich da nicht einfach anrufen und sagen, ich komm heut mal ne Stunde später?

Wenn der A länger machen muss, dann ruft er hier an und sagt, er kommt ne Stunde später. Und gut ist. Ich betreue das Kind und so.

Ich habe oft das Gefühl, dass an mir sowas einfach hängen bleibt. Ich würd das auch gern mal einfach delegieren können.

So ist es nervenaufreibend. Und tut mir weh!



Antworten

  1. das glaube ich. auch wenn ich das noch nicht erlebt habe, so kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es mir da ähnlich gehen würde.
    ach mensch.

  2. Macht nur weiter so, der Blog lebt von der Vielfalt.


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