Verfasst von: rosa67 | 20. Mai 08

Was war denn nun?

Wir hatten einen wunderschönen Sonntag. Wir waren auf einem ganz tollen Flohmarkt, konnten für uns alle drei ein paar tolle Fundstücke erwerben. Ganz frohgemut, auch über das gute Wetter sind wir mit dem Auto weitergefahren nach Lauenburg und haben auf einer schönen Sommerterrasse direkt an der Elbe lecker Maischolle verspeist. Christoph war noch ein wenig suppenkaspriger als sonst und hat sogar Pommes eher verschmäht. Nur den Ketchup hat er abgelutscht.

Aber er war gut drauf. Hat dann auf der Weiterfahrt noch ein wenig geschlafen. Wir haben einen Spaziergang durch Winsen gemacht, haben dort ein Eis gegessen. Christoph hat mit dem A noch Fußball gespielt, wir haben am Fluss Enten beobachtet. Es war ein toller Tag.

Dann kamen wir nach Hause. Der A und Christoph gingen schon mal hoch in die Wohnung und setzten sich auf den Balkon, ich wollte im Waschkeller noch die Wäsche holen.

Christoph saß also auf dem Balkonfußboden, der A las, alles war gut. Bis der A ein seltsames Geräusch hörte, er blickte auf und sah Christoph rückwärts in der Balkonbrüstung liegen, röchelnd und zuckend.

Als ich die Wohnung betrat, traf ich auf einen panischen Vater mit einem zuckenden Kind auf dem Arm, dessen Kopf nach hinten überstreckt war. A rief immer wieder, Christoph sei gestürzt, er sei gestürzt! Ich dachte, Christoph sei tot. Das Genick sei gebrochen. Wir schrieen beide. Ich nahm Christoph auf den Arm, er zuckte noch, ich dachte, das seien die letzten Reflexe, er sei tot. Dann merkte ich, er schnappte immer wieder krampfartig nach Luft. Aber er kam mir soviel leichter vor als früher, mein erster Gedanke war, das liest sich doof, die Seele sei weg, die sei schon weg, er sei unwiderrufbar zerstört, es sei alles zu spät. Christops Augen waren nach innen weggedreht. Er zuckte, er schnappte, die Lippen waren nach innen gezogen. Mein nächster Gedanke war, ich lege ihn an die Brust, alles wird gut. Ging natürlich gar nicht.

So vergingen ein paar Minuten, dann fing Christoph wieder an, Luft zu holen, tiefere Atemzüge zu tun. Der Krankenwagen kam, er wurde untersucht, er atmete wieder, er war noch teilnahmslos.

Ich hab immer gedacht, mensch, da liegt er nun, er der kleine Herr Datüh Datah! Wenn er wüsste, dass er in einem Krankenwagen liegt, das wäre sein Paradies.

Es wurde überlegt, die beste Entscheidung sei die, dass wir mit dem Hubschrauber  ins Kinderkrankenhaus Altona flögen. Also fuhren Christoph und ich zum Hubschrauber auf dem Harburger Rathausmarkt und wurden nach Altona gehubschraubt.

Wenn Christoph mich jemals nach dem ungewöhnlichsten Ort fragt, an dem er gestillt wurde: Im Hubschrauber nach Altona. Zu dem Zeitpunkt hatte ich wohl Adrenalinausschüttungen ohne Ende. Ich saß da, stillte, konnte sogar Witze reißen. Im Krankenhaus wurde alles geprüft und gecheckt. Wir sind jetzt ja ein paar Tage zur Beobachtung dageblieben. Sehr anstrengend, weil Christoph eigentlich von Montagmorgen an wieder quietschfidel war. Ich nicht, mir hängt das nach, ich hatte (natürlich) kaum Schlaf. Heute zur Entlassung gab es noch ein EEG. Der Krampfanfall ist nachweislich dagewesen, aber ein Grund steht da sozusagen nicht. Es scheint ein Fieberkrampf gewesen zu sein. Christoph eckzahnt ja prächtig, alle vier Zähne auf einmal. Er wird wohl einen raschen Temperaturanstieg gehabt haben und dann halt diesen Krampf. Es ist dies auch die richtige Reihenfolge, nicht “erst Sturz, dann Krampf”, sondern “Krampf und dann hintenüber gekippt”.

Wir haben Diazephamzäpfchen bekommen, falls das noch mal passiert, aber wir gehen jetzt einfach davon aus, dass es einmalig war.

Wir sind mit etwas konfrontiert worden, mit der Möglichkeit eines Verlustes, die man nicht mal andenken kann/möchte, so unverstellbar schmerzhaft und schlimm ist das. Es hat uns an Grenzen gebracht. Wir werden jetzt über diese Grenzen reden müssen, reden, reden, reden, bis es nicht mehr so ein großes Schreckgespenst ist. Bis wir es auch wieder schaffen, dass wir unserem Sohn vertrauen können, dass er gesund ist und weiter prächtig. Bis wir nicht mehr gegenseitig denken, dass der jeweils andere denken könnte, dass der wieder jeweils andere meint, er sei schuld.

Es steckt uns ganz heftig in den Gliedern, es ist so schrecklich, so unbeschreiblich schlimm gewesen.

Gott sei Dank, dass es so ausgegangen ist!!!!


Antworten

  1. Ich drück Euch ganz heftig! *tränen wegwisch*

  2. Eine feste Umärmelung von hier, ich finde, das liest sich ganz schrecklich. Hoffentlich war das eine einmaliger Ausflug, so viel Spannung vetragen wir Mütter einfach nicht. Schön, dass es dem kleinen Schweinchen wieder gut geht!

  3. Es tut mir so unendlich leid, dass ihr so etwas erleben musstet.
    Ich wünsche euch von ganzem Herzen, dass das eine einmalige Sache war, ihr euch alle wieder beruhigt und euer Vertrauen zueinander wiederfinden werdet. Das ist ganz, ganz wichtig.
    Mein Gott, ich nehme meine Jungs morgen gaaaanz feste in den Arm und werde genießen, dass sie gesund sind und hoffen, dass wir nienieniemals in so eine Situation kommen werden.
    Alles Gute!!!

  4. Auch wenn Du es mir vorhin schon am Telefon erzählt hast, stockt mir hier gerade wieder der Atem und der Knieperalarm geht los *schluck*

    Ich drücke Euch drei ganz doll und stoße mit einem Glas Rotwein darauf an, dass wir alle gesunde Kröten haben und so etwas niemals, aber auch nie nicht überhaupt jemals wieder passiert.

  5. Oh Schreck Rosa, ich lese es erst jetzt, was euch passiert ist. Und es tut mir so unendlich leid. Vor allem, weil ich euch wirklich gern schon eher die besten Wünsche geschickt hätte. Da die akute Situation nun hoffentlich überstanden ist, schicke ich dir eine feste Umärmelung und ganz viel Kraft. Alles Liebe …

  6. *tränchenwegwisch*
    Gut, daß es so glimpflich ausgegangen ist.
    Ich muß gleich unbedingt mal nach Putti sehen…
    Liebe Grüße und auch von mir eine dicke Umarmung!

  7. Bin über “die Kaisers” zu euch gekommen.
    Und wollte einfach viele liebe Grüsse dalassen.
    Das ist schrecklich was euch passiert ist.
    Und ich bin einfach nur froh mit euch, dass alles gut ausgegangen ist!!!!
    Liebe Grüße
    Manu

  8. oha. das istr heftig. ich wünsche euch, dass euch und christoph und allen anderen hier sowas nie nie nie wieder passiert…

    und, dass ihr drei das ganze schnell verarbeitet bekommt.

  9. Liebe Rosa!

    Auch wenn ich bei Dir im Blog nicht so präsent bin und auch nicht regelmässig lese- aber immer wieder! – und auch sehr Anteil nehme: Fühl Dich von mir allerherzlichst gedrückt und ich wünsche Euch, dass Ihr wieder zueinander findet und diese ganz schlimme aller vorstellbaren Situationen, die man sich vorstellen kann, gut verarbeiten könnt (bitte nicht falsch verstehen, ich hoffe, Du spürst, wie ich das meine!)

    Redet miteinander und vor allem dem Christoph wünsche ich, dass dies ein einmaliger Ausflug bleibt!

    Liebe Grüße in den Norden vom Schäfer-Clan!

  10. Oh Rosa, ich bin so froh, daß alles gut ausgegangen ist. Ich habe immer noch Tränen in den Augen. Das klingt so schrecklich, was da passiert ist. Ich bin so froh, daß es dem kleinen Wutz gut geht. Laß dich mal ganz feste drücken und auch ganz feste hoffen, daß das nie wieder passiert, so was Schreckliches.
    Ganz viele liebe Grüße aus dem sehr fernen Ausland.

  11. Liebe Rosa,

    Habe gerade erst die schreckliche Geschichte gelesen. Ist das fürchterlich! Mein Freund und ich lesen immer gerne in deinem Blog, weil du so liebevoll und lustig über dein Leben mit dem herzallerliebsten Wutz schreibst. Wir sind beide vollkommen entsetzt über das, was ihr drei da erleben musstet. Wir drücken alle Daumen, auf dass ihr diese grauenhafte Erfahrung verarbeiten könnt und ihr euch bald erholt habt.

    Ganz viele liebe Grüße,
    Lotta und F aus Berlin

  12. Ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr alsbald wieder in einen normalen Alltag findet und dieses Erlebnis gut verarbeitet!

    Und dem Wutz wünsche ich, dass er nie wieder fieberkrampft!

    Liebe Grüße,
    Silke :)

  13. ach du schreck, liebe rosa, das ist ja furchtbar, so einen fieberkrampf hatte mein sohn auch mal, da war er erst ein halbes jahr alt und ich dachte auch: das wars und hab nur noch gezittert. aber seitdem gabs das nicht mehr [toitoitoi-möge es so bleiben - auch bei euch!] habe auch genannte zäpfchen im schrank.

    herzliche grüße, kann alles nachempfinden, was du schreibst, jedes Detail.
    Der schreck sitzt einem/einer in den knochen…
    inese

  14. Liebe Rosa,
    ich bin eine stille Mitleserin ohne eigenen Blog und freue mich immer sehr an Euren schönen Geschichten um den kleinen Kerl. Ich wollte Dir schreiben, dass meine Tochter mit knapp 2 Jahren auch einen schweren Fieberkrampf hatte, den sie aber völlig unbeschadet überstanden hat. Sie hatte auch einen ganz plötzlichen Fieberanstieg, den ich noch bemerkte, ihr auch noch ein Fieberzäpfchen gegeben habe. Aber es hat wohl keine richtige Wirkung gehabt, denn es kam trotzdem zum Krampf. Danach war aber alles in Ordnung. Mach Dir deshalb nicht allzu viele Sorgen. Wenn der Schock nachlässt, werdet Ihr wieder Vertrauen in die Gesundheit des kleinen Kerls finden können. Ganz lieben Gruß, Doris

  15. Ich war recht lange nicht mehr hier und den ersten Beitrag, den ich nun lese, war dieser. Puh! Ich dachte, mir bleibt beim Lesen das Herz stehen! Ich bin so froh, dass alles gut ausgegangen ist. Ihr habt schreckliche Stunden durchgemacht. Wie verarbeitet man sowas? Meine Güte! Meine Maus hat heute Geburtstag. Leben und Tod liegen dichter beieinander, als man wahrhaben möchte… Ganz liebe Grüße von E. (früher Großstadtpflanze, jetzt KiFaSchuLe-Blog)

  16. ach, das liest sich so fürchterlich, mir kamen die tränen. und ich freu mich für euch, dass es doch noch so gut ausgegangen ist!

  17. Schrecklich, was ihr da mitmachen musstet. Und gut, dass es so gut ausgegangen ist. Ich wünsche euch, dass ihr das Geschehene schnell verarbeiten könnt und ihr nie wieder in diese Situation kommt!

  18. *schluck* das hört sich wirklich ganz furchtbar an. Gut, dass ihr darüber redet.
    *tränewegwisch*

  19. Was für ein Schock! Ich weiß gar nicht richtig, wie ich hierzu kommentieren kann, ich glaube, ich habe den ganzen Beitrag mit offenem Mund gelesen.
    Ich kann nicht ansatzweise nachemfinden, wie es Euch da gegangen ist – allein der Gedanke, ein (scheinbar, gottseidank scheinbar) totes Kind im Arm zu halten, bringt mich schon an meine Grenzen.
    Auch, wenn der Wutz völlig in Ordnung ist – es tut mir so leid, dass ihr (wohl alle drei) solche Angst haben musstet. Es tut mir so weh, wenn ich an die Angst, die ja – auch wenn alles ok ist – jetzt noch unweigerlich eine Weile im Raum schwebt, denke.

    Ihr seid ziemliche Helden, dass Ihr das gepackt habt, ohne in eine Schockstarre zu fallen – wirklich. Und ihr habt Eurem Sohn beigestanden. Das einzige was Ihr überhaupt habt tun können, habt Ihr fabelhaft getan. Versucht, daraus Eure Stärke zu ziehen. Sicher gab es erstmal die wildesten Schuldzuweisungen (hätte es in so einer Ausnahmesituation wohl überall gegeben) – aber ihr habt ja beide durchgehalten, gemeinsam.

    (Ich wollt´ ja erst ins KH kommen, hab mich dann aber doch nicht getraut. Verrückt, wie sehr man sich um virtuelle Dorfmitglieder sorgt – ich hab bis zur Entwarnung die halbe Nacht wachgelegen und auch am Tag immer wieder “Stoßgebete” (wie man das halt so macht, wenn man gar kein Christ ist) geschickt… Mann, bin ich froh!)

  20. Oh gott, das ist wirklich schrecklich!! Musste eben auch etwas weinen als ich das las. Man fühlt sich ja so hilflos (als Eltern/Anwesende), wenn so etwas passiert. Keine Ahnung was man machen soll, was richtig und was falsch wäre… was der Lütte nun hat.
    Dann doch noch Krankenwagen, Hubschrauber und Krankenhaus. Ohgottohgott.
    Hoffentlich verdaut ihr den Schock schnell!

  21. Puh…

  22. Mein Gott, das ist wirklich ein echter Schock!! Du hast eure Gefühle so real beschrieben – ich konnte die Tränen nicht zurückhalten. Und warum auch!! Weinen und reden ist doch in einer solchen Situation das Allerbeste!!! Fühlt euch ganz kräftig gedrückt. Scheut euch nicht die ganze Situation ein ums andere Mal zu besprechen – man kann es nicht zerreden. Ich kenne das, viel reden hilft viel.
    Wenn es euch wieder bedrückt – schaut euch euren kleinen Sonnenschein an. Er ist wirklich ein kleiner Kämpfer, er hat es überstanden.
    Ihr gehört einfach so unwiderruflich zusammen – da kann euch einfach nichts passieren!!!
    Ich bin so froh, dass es euch gut geht!!

  23. Ich bin so erleichert, dass Ihr wieder gesund und munter zuhause seid und drücke Euch von ganzem Herzen die Daumen, dass so etwas nie wieder passiert!

  24. Es liest sich furchtbar und man kann nicht sagen, wie schlimm die Gefuehle hochgekocht waeren, wuerde es ums eigene Kind gehen. Ich freue mich von ganzem Herzen, dass es trotz aller Aufregung so glimpflich abgelaufe ist und wuensche Euch, dass sowas nie wieder passiert!!!!

  25. Ach weh ich umarme euch alle und wüsnche euch beiden grossen die kraft, vertrauen zu fassen in euch, in euren kleinen kerl. und die kraft, das nicht zu vergessen aber hinter euch lassen zu können.
    und eurem christoph – und euch! – dass das nicht mehr passieren wird.
    ganz viele viele liebe gedanken mit vielen anteilnehmenden tränchen in den augen.

  26. Ich bin erleichtert, daß ihr munter und gesund wieder zuhause seid und heilfroh, selber mit meinen beiden Rangen bislang solche Krisen noch nicht durchgestanden haben zu müssen. Ich drücke die Daumen, daß es der erste und letzte Fieberkrampf seines Lebens war und das nun alles wieder gut ist!

  27. Ich kam bisher noch nicht zum kommentieren, bin aber mindestens genauso froh wie alle anderen hier, dass es so ausgegangen ist, wie es ist.
    Familie Just jedenfalls ist sehr sehr erleichtert und drückt feste die Daumen, dass ihr 3 sowas NIE wieder durchmachen müsst!

  28. Ach, liebe Rosa, lieber Christoph, lieber A, heute erst aus dem Urlaub zurückkommend, lese ich diese Zeilen. Wie sehr ich Euch gewünscht hätte, dass Ihr diese Erfahrung nicht hättet machen brauchen!! Und wie sehr ich Euch, Euren Verlustängsten, dem Schreck und der Angst überhaupt nachfühlen kann! Ich wünsche Euch und vor allem dem kleinen Kerl, dass es sich hierbei wirklich um eine einmalige Sache handelte… (Georg hatte bereits zwei Fieberkrämpfe und man bekommt allmählich vor jedem Infekt Angst…)

    Ganz liebe Grüße an Euch und genießt trotz allem Euren Urlaub

    Anne

  29. [...] Post von der Krankenkasse Wir müssen nur 10 Euro zahlen, aber der kleine Rundflug des jungen Herrn mit dem Helikopter hat so roundabout 600 Euronen [...]

  30. [...] erneuter Fieberkrampf. Und das nachdem ich eigentlich schon fast gehofft hatte, dieses Ereignis vom Mai 2008 würde sich nicht wiederholen. Wir haben ihm schnell das Diazepam verabreichen können, er [...]


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