Heute nachmittag hab ich Christoph in seinen Buggy gepackt und bin mit ihm in die Stadt gebuggyt. Soweit so gut. Leider hab ich mein Mobiltelefon zuhause liegen lassen.
Aus einem Kiosk mitten in der Harburger Innenstadt trat ein junger großer durchtrainierter Mann mit seiner humpelnden schluchzenden Freundin. Er brüllte schrecklich rum, sie sei eine „P.iss-Schl.ampe“, eine „dreckige H.ure, der er gleich das Hirn raus wi.ch.sen würde“, sie hätte alles ganz „besch.euert“ angestellt usw. Es schien sich um eine Wohnungsübergabe zu handeln. Er brüllte weiters, dass ein „Dre.cks-Ver.ge.waltig.er-T.ür.ke“ ihr nie das Geld zurückgeben würde, er jedenfalls würde sie jetzt verlassen, sie sei eben eine „Hu.re“, nur noch wert zum „Ru.del.bu.mse.n“
(sorry für diese Schreibweise, ich möchte wirklich nicht, dass mein Blog über diese Begriffe gefunden wird)
Sie schluchzte, sie entschuldigte sich, sie entschuldige ihn, sie verzieh, sie – ach jeh!
Alle Leute, die da so waren, und das waren schon einige, überholten dieses Pärchen, schauten pikiert aus der Wäsche und schienen sich klar zu sein, dass ihnen sowas nicht passieren könnte, Hilfe boten sie jedenfalls nciht an.
Ich rollerte eine Zeit lang hinter dem Pärchen her, so dass es nicht auffiel, dass ich zuhörte. Aber eingreifen konnte ich – schon wegen Christoph, vielleicht aber auch wegen der ungleichen Statur meinerseits und Schrei-Kerl-seits – nicht. Ich habe einige kräftig gebaute Passanten angesprochen, die aber eher amüsiert die Szenerie betrachteten und nichts unternehmen wollten. Die Polizei konnte ich nicht rufen mangels Telefon. Was hätten die auch unternehmen können? Es läge ja an der Frau, einen mutigen Schritt zu tun und sich aus so einer Beziehung herauszuwagen. Und das ist nicht einfach, das weiß ich. Es ist – wenn man die Hilfsbereitschaft der Umgebung betrachtet – so gut wie unmöglich.
Vor ein paar Jahren gab es in den Hamburger S-Bahnen wegen der häufigen gewalttätigen Vorfälle eine Plakataktion. Da hingen Plakate, auf denen zu lesen stand „Hier wurde xy von 50 Personen zusammengestochen, einer stach zu und 49 schauten untätig zu“
An diese Aktion fühlte ich mich heute erinnert. Einen Platz im Pfadfinderhimmel möchte ich mir nicht erobern, aber es bedrückt mich, dass ich der jungen Frau nicht helfen konnte, und ich frage mich, wie es ihr jetzt wohl geht :-(
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Maiken Nielsen: Das siebte Werk
Bobo Siebenschläfer von Markus Osterwalder

Du hast es richtig gemacht. Manche Art von Zivilcourage ist am falschen Platz, wenn man ein kleines Kind dabei hat.
Von: Melody am 29. April 08
um 3:38