In Australien wohnt die arme Frau Eumelmama mit einem kleinen Napoleon zusammen, wir haben ein Rumpelwützchen sozusagen. Will heißen, dass was die Eumelmama schreibt, kommt mir bekannt vor.
Neulich zum Beispiel hat das Kind seine neuen Krokodilshandschuhe stolz spazieren getragen. Schön und gut. Ich kann auch verstehen, wenn die verrutschen, dann präsentiert es sich nicht mit so gut damit, dass muss natürlich sofort behoben werden. Und das muss Mama machen. Klar, macht die Mama auch, die ist ja gutmütig. Immer gerne. Vielleicht nicht immer. Wenn man auf Hamburgs so ziemlich längster Rolltreppe auf dem Weg nach unten ist und wenn dabei das Kind im Buggy sitzt, dann wird wohl jeder hier verstehen, dass die Mutter bei der Krokodilsjustierungsaufforderung nicht sofort den Buggy Buggy sein ließ, sondern versuchte, das Kind zu vertrösten. Wird doch wohl jeder. Klar. Wer es nicht verstand, war das Rumpelwützchen. Der erhob ein Gebrüll. Ein langwährendes Gebrüll. Und nein, dieses Gebrüll ließ sich auch nicht stoppen, indem ich ihm – unten angekommen – die Handschuhe richtig anzog. Wo kämen wir da hin?! Das war es nicht, was das Kind gewollt hatte! Die Handschuhe wurden fortgeschleudert. Nein! Falsch! Rumpelwützchen wollte die Handschuhe nur und ausschließlich auf der Rolltreppe angezogen bekommen. Ich bin ja recht schmerzbefreit, was sein Gebrüll angeht, mittlerweile. Die restlichen Menschen im U-Bahn-Waggon sahen das anders und gingen auf Distanz zu uns, kuckten missbilligend oder mitleidig oder wehleidig oder sonstwie. Christophs Lungen indes ermüdeten auf der Fahrt bis nach Hause (ca. 20 Minuten) nicht wirklich.
Schön sind auch immer wieder die Situationen, wenn er in den letzten vorhandenen Keks beißt und der dann ja sozusagen kaputt ist. „Kaputt! Mama, wieder heile machen!“ Ein Hinweis, dass der Keks nunmal Schaden nehmen muss, wenn man abbeißt, hilft leider nix. Das Geheul und Gewüte ist groß. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir das stillschweigend dulden würden!
Logisch ist, dass wir morgens natürlich nicht in den Kindergarten wollen, „Da sind so böse Monster, Mama!“ „Da ist die Feuerwehr immer so laut, Mama!“ „Da tut es mir immer so weh, Mama!“ Wir müssen ganz laut schreien und um uns treten und uns nicht wickeln und waschen lassen. Und wir müssen Mama und auch Papa deutlich zeigen, dass es uns dabei um Leben und Tod geht.
Wenn Mama dann nach Feierabend zum Abholen in den Kindergarten kommt, dann ist das selbstverständlich komplett falsch! Wir wollen noch nicht nach Hause. Das Kerlchen versucht, sich hinter Bäumen zu verstecken, rennt weg und schreit und wütet, dass es zuhause alles doof ist, dass das da immer so wehtut, dass Mama ganz böse ist und zuhause immer so laut schreit. Da ist kein Spielzeug usw. Man muss sich dabei selbstverständlich auf den Boden schmeißen und sehr laut brüllen, damit auch alle im Kindergarten die Dramatik der Situation vollends begreifen.
Manchmal, wenn Christoph bei (von ihm) geschlossener Tür in seinem Zimmer spielt, denke ich mir, schau mal rein, ganz leise, denn ich könnte schwören, dann steht der Knabe vorm Spiegel und übt das Rumpelwützchendasein :-)






Wolken
Laterne, Laterne




Maiken Nielsen: Das siebte Werk
Bobo Siebenschläfer von Markus Osterwalder
